Sonntag, 14. September 2014

Woche zwei. Serienempfehlungen sind willkommen

Es ist mal wieder Zeit aus meinem (derzeit leider kaum spannenden) Leben zu berichten und ich überlege mir bestimmt schon seit drei Minuten was ich schreiben könnte.
Zuerst mal die gute Nachricht... für mich zumindest: morgen kommt endlich ein zweites Au Pair zu uns in die Nachbarschaft und ich freue mich darauf, wie auf ein neues Haustier. Aber auch wenn meine Grundcharaktereigenschaft, nicht mit Fremden zu reden, es mir mit Fünf sehr leicht gemacht hat in keinen Candy Truck gelockt zu werden, so ist sie nun wesentlich unpraktischer bei dem Unterfangen soziale Kontakte aufzubauen. Vielleicht gehe ich in Zukunft einfach darauf über andere mit selbst gestrickten Socken für mich zu begeistern. Mal schauen. Ich sollte stricken lernen.

Gestern war ich, zwecks "mal aus dem Haus kommen", wieder in Madrid und überrascht wie schwer es ist eine normale Drogerie zu finden. Madrid ist wirklich schön, mit seinen alten Häusern und den verwinkelten Gassen hat es einen unaufdringlich romantischen Charakter aber drei Stunden nach einer Coloration für mein, dank Chlor und Sonne, inzwischen dreifarbiges Haar suchen zu müssen geht zu weit. Da sollte mal einer was unternehmen.
Ansonsten war meine Woche eher mittel spannend und bestand aus verschiedenen Serien, Englisch mit den Kindern üben, mich selber vor Spanisch drücken, Essen, und der permanenten Überlegung wie ich es schaffe, dass man mich in einem halben Jahr nicht zurück nach Deutschland rollen muss. Ernsthaft. Dass man im Grunde alles frittieren kann wusste ich, aber muss man es deswegen auch machen? Ich vermisse meinen Kühlschrank.


zwei Bilder von der Innenstadt und eins von Spagetti Cabonara... es gibt keinen Zusammenhang, das Spagetti Bild ist nichtmal neu, ich hab es nur gerne auf der Seite

Wer sich bisher überraschend wenig bei mir meldet ist meine Familie. Meine Gastmutter, eine wirklich liebenswerte, etwas (positiv) verdrehte Spanierin, ist der festen Überzeugung dass meine Eltern ausgewandert sind und den Kontakt zu mir deshalb nun Stück für Stück abbrechen werden. Die einzige Information die von meinem Bruder kam, war dass er mich nicht vermisst und jetzt meinen Fernseher in seinem Zimmer installiert hat. Danke, du Nestbeschmutzer. 

Inzwischen ist es kurz nach 10 und ich fiebere schon auf den Moment hin, wenn ich morgen aufwache und die Kinder in der Schule sind. Schließlich bereiten die nicht nur Freude sondern auch viel Lärm und gelegentlich Kopfschmerzen. Ich werde jetzt also noch eine Aspirin oder acht einwerfen, weiter Serien schauen und mich auf mein neues Haustier freuen... Nein. Halt. Egal. Gute Nacht

Sonntag, 7. September 2014

Die erste Woche und ein bisschen Madrid

Ich sitze auf der Terrasse mit einer Tasse Kaffe, einem hohen Dutt, tippe dabei angestrengt auf meinem Laptop herum und komme mir sehr klischeehaft vor. Irgendwie hatte ich mir das glamouröser vorgestellt... trotzdem habe ich mich noch nicht vollständig an diese wundervolle Freiheit die das WLAN bietet gewöhnt. Wie konnte meine Mutter mir das nur vorenthalten?

Eine Woche ist es jetzt her seit ich hier angekommen bin und es ist nicht viel passiert. Klar könnte ich jetzt anfangen von meinen drei neu erlernten spanischen Sätzen zu schwärmen oder von meiner Bräune, welche von meinen Freunden leider noch nicht ganz anerkannt wird, aber irgendwie interessiert mich das nichtmal selber wirklich.
Meine anfänglichen Befürchtungen haben sich im Grunde alle in Luft aufgelöst. Ich vermisse weder meine alte Arbeit (gut, das war keine ernsthafte Angst von mir), noch habe ich besonderes Heimweh... Trotzdem wird dieses ewige am Pool liegen langsam ein Luxusproblem und ich fange an mich auf die Schulzeit der Kinder, und somit auch den Anfang meiner Sprachschule zu freuen. Endlich wieder Menschen sehen. Ich hätte nie gedacht dass ich das jemals sagen würde!

Was ich bisher von Madrid gesehen habe beschränkt sich auf einen 2 km Zirkel rund um den Metro Ausstieg im Herzen der Essensmeile, an dem ich nach langem suchen und mehrmaligem in die falsche Bahn steigen schließlich auch wie geplant ankam. So ist das nunmal wenn man nicht mit Menschen redet. Man verirrt sich.
Somit bestand mein Samstag dann aus weiteren Irrwegen, Eis, ein zwei neuen (natürlich schwarzen) Shirts und mehr Eis.

                                 
Vielleicht poste ich bei nächster Gelegenheit ein paar Bilder von Madrid, aber so ein begeisterter Fotograf bin ich nun auch wieder nicht und das Eis erschien mir passender

Was gibt es noch zu erzählen? Ich bin mir noch nicht sicher ob ein halbes Jahr genug Zeit ist um darüber hinweg zu kommen dass hier eigentlich alles paniert wird oder dass meine Skype Verbindung meistens an den spannenden Stellen abbricht. Mehr nächste Woche, in Liebe, ich.


Montag, 1. September 2014

Hola España... was sollte man auch sonst als Überschrift nehmen?

Mein Tag beginnt damit dass ich zwar pünktlich aufwache aber noch Ewigkeiten wie gelähmt im Bett liegen bleibe. Irgendwie begreife ich die Gesamtsituation nicht wirklich und mir wird nur extrem langsam bewusst dass ich in ein paar Stunden erstmal weg bin. Dezente Trauer überkommt mich, nach einem Blick aus meinem Zimmerfenster in den postapokalyptisch dunkelgrauen Morgenhimmel Öhringens und dem Gedanken an 35°C in Madrid legt sich die allerdings recht schnell wieder. Ein Problem weniger.
Wenn ich es vorher schon nicht wirklich erfasst hatte, ist mein geistiger Zustand in Frankfurt unterirdisch. Wie benommen schleiche ich durch den Check-in und nach einem halberotischen Abtasten der Sicherheitslady weiter zum Gate.

Rückblende:
Ich erinnere mich als ob es gestern gewesen wäre (ha.ha.), vor etwas mehr als 24 Stunden saß ich noch in meinem Zimmer und denke darüber nach was ich mitnehmen muss. Was braucht man auch für so ein halbes Jahr? Sonnenbrille, check. Schlüpper, check. Lieblingspulli, check. Das volle Ausmaß dieser Überlegung wird mir erst bewusst, als ich feststelle dass sich so ein halbes Jahr auch auf andere Jahreszeiten erstreckt und Dinge wie Winterjacken deshalb auch in mein Gepäck müssen. Als ich fertig gepackt habe ist der Koffer noch halb leer und ich beginne langsam aber sicher an meiner mentalen Checkliste zu zweifeln. Also Mama fragen.

Madrid bei Nacht... sagt Google

Angekommen in Madrid warte ich erstmal eine gefühlte Ewigkeit. Erst auf meinen Koffer, dann auf meinen Gastpapa der schließlich etwas außer Atem mit den drei Kindern ankommt. Auf der Rückfahrt bemüht er sich zwar Englisch zu sprechen, als er aber nach einer Weile ins Spanische abdriftet verstehe ich nur noch "Käse" und "Pool"... wahrscheinlich keine lebensnotwendige Nachricht an mich.
Nach 20 Minuten Fahrt kommen wir in Perales del Rio, einem 2000 Seelen Dorf in der Nähe von Madrid, an und ich werde stürmisch von der Mutter begrüßt, im Haus und auf der Anlage herumgeführt und darf schließlich auch ein bisschen auspacken.
Jetzt, nachdem ich mich soweit eingerichtet habe und auch schon ein bisschen an meiner späten Sommerbräune gearbeitet habe, ist es 1 Uhr, ich sitze halbtot am Laptop und irgendwie scheint das Internet aufgegeben zu haben. Dann poste ich eben morgen.